Zur aktuellen Debatte um Teilzeitbeschäftigung erklärt Arbeitgeberpräsident Dr. Jörg Brückner:
„Ich werbe dafür, die notwendige Debatte rational und nicht emotional zu führen. Fakt ist: Sachsen weist mit rund 35 Prozent eine deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 31 Prozent liegende Teilzeitquote auf. Seit dem Jahr 2000 hat sich dieser Anteil mehr als verdoppelt. Von daher ist es erklärungsbedürftig, wenn inzwischen mehr als jeder dritte Beschäftigte in Teilzeit arbeitet.
Die durchschnittliche Jahresarbeitszeit je Erwerbstätigen liegt in Deutschland bei rund 1.300 Stunden – damit sind wir Schlusslicht unter allen OECD-Staaten. Jedes Jahr treten rund 50.000 Erwerbstätige in Sachsen neu in den altersbedingten Ruhestand ein. Es stellt sich also schon die Frage: Wer soll die zu erledigende Arbeit machen?
Aber unabhängig davon fordern wir als Arbeitgeber ja keine Pflicht zur Vollzeit, sondern lediglich Vertragsfreiheit zurück. Der jetzige Gesetzesanspruch nimmt keine Rücksicht auf betriebliche Anforderungen und auch nicht auf die Kollegen, die mehr arbeiten müssen, weil andere weniger arbeiten. Im Zweifel bleiben dann Aufträge liegen oder Geschäfte fallen aus.
Unser Hauptproblem ist aber, dass sich Arbeit – insbesondere Mehrarbeit – zu wenig lohnt. Die kalte Progression, hohe Abgabenbelastungen und starke Grenzbelastungen führen dazu, dass ein großer Teil zusätzlichen Einkommens beim Staat statt beim Arbeitnehmer ankommt. Es gibt im Moment zu wenig ökonomische Anreize, mehr zu arbeiten. Wir können unseren Sozialstaat auf Dauer nur finanzieren, wenn unsere Wirtschaft wieder wächst, also Menschen in den Unternehmen wieder mehr Wertschöpfung erbringen.
Deshalb brauchen wir bessere Anreize für mehr Arbeit: mehr Netto vom Brutto, unter anderem durch geringere Abgaben auf zusätzliche Stunden, weniger Fehlanreize im Steuer- und Transfersystem sowie Rahmenbedingungen, die Erwerbstätigkeit insgesamt attraktiver machen. Es geht um Leistungsfreundlichkeit statt zusätzlicher Regulierung.“
