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17. Juli 2026

Mit der 35-h-Woche wird die Wirtschaftswende nicht zu schaffen sein

Aus Anlass der aktuellen Debatte um die Wochenarbeitszeit erklärt Arbeitgeberpräsident Dr. Jörg Brückner:

„Unsere durchschnittliche Jahresarbeitszeit je Erwerbstätigen liegt bei rund 1.300 Stunden. Damit ist Deutschland Schlusslicht unter allen OECD-Staaten. Spitze sind wir hingegen europaweit beim Krankenstand, beim Urlaub und bei Freistellungsansprüchen. Hinzu kommen viele Feiertage und ein wachsender Wunsch von Arbeitnehmern nach Teilzeitbeschäftigung. Von 2000 bis Mitte 2025 hat sich der Anteil an Teilzeitbeschäftigten von rund 16 auf 35 Prozent mehr als verdoppelt. Summa summarum sinkt damit unsere Arbeitsproduktivität.

Ein jeder weiß es doch oder ahnt es zumindest: Ohne Fleiß kein Preis, ohne Anstrengung kein Wohlstand und ohne Leistung kein Fortschritt. Der Ökonom Stefan Kooths formulierte treffend: ‚Die Leute sind nicht faul, sie sind nur nicht blöd.‘ Denn es sind die Rahmenbedingungen, die mit unangemessen hohen Steuern und Abgaben jeden Anreiz für Mehrarbeit im Keim ersticken. Es ist wenig überraschend, dass sich kaum jemand, der einmal in Teilzeit tätig ist, angesichts eines Grenzsteuersatzes von 46% dafür entscheidet, wieder zurück in Vollzeit zu wechseln.

Unterlassen wir also alles, was unsere Arbeitsproduktivität weiter senkt. Das müssen auch die Sozialpartner beherzigen, denn für das, was man in Tarifverträgen abschließt, darf man Dritte nicht verantwortlich machen. An die Politik appelliere ich aber: Lassen wir den gesetzlichen Freistellungsanspruch auf Bildungsurlaub in Sachsen nicht am 01.01.2027 in Kraft treten. Flexibilisieren wir, wie es im Koalitionsvertrag auf Bundesebene schon zugesagt ist, das Arbeitszeitgesetz und schaffen die Möglichkeit für wöchentliche anstatt tägliche Höchstarbeitszeiten, denn das wollen sowohl Arbeitgeber als auch eine Mehrheit der Arbeitnehmer. Verzichten wir auf neue bürokratische Belastungen aus einer elektronischen Arbeitszeiterfassung und stärken die bewährte Vertrauensarbeitszeit. Zur Flexibilität gehört auch der Erhalt von Minijobs in ihrer derzeitigen Form. Sie versetzen Unternehmen – insbesondere im Handel und in der Gastronomie – in die Lage, in Spitzenzeiten flexibel auf einen erhöhten Arbeitsbedarf zu reagieren.

Zudem haben selbst Hochtechnologieländer wie Großbritannien, Südkorea und Japan niedrigere industrielle Arbeitskosten als Sachsen. Von unseren mittel- und osteuropäischen Wettbewerbern ganz zu schweigen. In Tschechien und Polen liegen die stündlichen Arbeitskosten beispielsweise um die Hälfte bis zwei Drittel unter dem sächsischen Wert – ohne dass dort schlechtere Arbeit geleistet wird.

Anders als in Westdeutschland, wo das klassische Prinzip gilt, dass die sehr hohe Arbeitsplatzsicherheit im öffentlichen Sektor mit Lohnabschlägen gegenüber der Privatwirtschaft einhergeht, steht das Lohngefüge im Osten auf dem Kopf: Beschäftigte des öffentlichen Sektors gehören hier zu den Spitzenverdienern, weil die freie Wirtschaft aufgrund ihrer historischen Hypotheken nicht so zahlungskräftig ist. Das ist nicht gerecht.“