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29. Oktober 2026

Arbeitgeberpräsident unterstützt Ministerpräsident Kretschmer: Nicht Besitzstandswahrung, sondern Veränderungsbereitschaft sichert unsere industrielle Zukunft

Angesichts der aktuellen Diskussion um die Zukunft des Automobilstandortes Zwickau erklärt Arbeitgeberpräsident Dr. Jörg Brückner: „Ich unterstütze ausdrücklich Ministerpräsident Michael Kretschmer. Wenn wir die Erfolgsgeschichte der sächsischen Automobilindustrie fortschreiben und industrielle Arbeitsplätze erhalten wollen, müssen sich Unternehmen, Politik aber auch Gewerkschaften und Betriebsräte bewegen.

Täglich lesen wir Meldungen über Betriebsschließungen, Insolvenzen und Personalabbau. Allein in den letzten drei Jahren hat die sächsische Industrie rund 24.000 gut bezahlte Arbeitsplätze verloren. Gleichzeitig haben in dieser Zeit über 2.000 Unternehmen im Freistaat Insolvenz anmelden müssen – das sind im Durchschnitt 60 Firmen pro Monat. Geopolitische Unsicherheiten, technologische Umbrüche, ungebremst galoppierende Kosten und ein immer schärferer internationaler Wettbewerb setzen die Unternehmen massiv unter Druck. Schuldzuweisungen sichern jedoch keinen einzigen Arbeitsplatz.

Deutschland kann mehr und Sachsen erst recht. Dafür muss aber jeder seine Hausaufgaben erledigen: Die Politik mit überfälligen Reformen, niedrigeren Standortkosten und mehr Netto vom Brutto für unsere Arbeitnehmer. Die Unternehmen mit Innovationen, wettbewerbsfähigen Produkten sowie der Sicherung von Beschäftigung. Und die Gewerkschaften mit der Bereitschaft, tarifliche Besitzstände zugunsten der Sicherung von Beschäftigung zu hinterfragen. Wir dürfen nicht die Augen vor den starken Wettbewerbern in anderen Regionen dieser Welt verschließen. Suchen wir gemeinsam nach Wegen statt nach Gründen, warum etwas nicht geht.

Was wir dafür brauchen, ist eine starke soziale Marktwirtschaft, kein staatliches Mikromanagement. Wer öffentliche Aufträge, Fördermittel oder Arbeitszeitregelungen an die Anwendung bestimmter Branchentarifverträge knüpft, untergräbt die grundgesetzlich geschützte Tarifautonomie und schwächt damit Tarifbindung. Die Sozialpartner müssen eigenverantwortlich Lösungen finden.

Deshalb mein Appell: Finden wir zusammen zu einem neuen ‚Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit‘. Die Erfahrungen aus dem Bündnis für Arbeit Anfang der 2000er-Jahre sollten uns dabei Mahnung sein. Damals gelang es nicht, sich am Ende auf einen gemeinsamen Reformkurs zu verständigen. Das war mit ein Auslöser für Gerhard Schröders Agenda 2010. Die Sozialpartner haben es nun selbst in der Hand, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Nicht Besitzstandswahrung, sondern Veränderungsbereitschaft sichert unsere industrielle Zukunft.“