Anlässlich des Wirtschaftswarntages am 29.01.2025 erklärt Sachsens Arbeitgeberpräsident Dr. Jörg Brückner:
„Deutschlands Wirtschaftsleistung stagniert im Saldo bereits seit über fünf Jahren, und die aktuellen Prognosen für 2025 sagen uns ein weiteres Jahr des Stillstands voraus. Sachsen ist dabei noch stärker von der Schwäche des Standorts Deutschland betroffen.
Hinzu kommt der Verlust industrieller Produktionskapazitäten infolge hoher Arbeitskosten, hoher Energiepreise, überbordender Bürokratie. Gemäß einer kürzlich durchgeführten Umfrage in der sächsischen Metall- und Elektroindustrie, dem größten Industriezweig des Freistaats, planen gut zwei Drittel der Firmen eine Reduzierung der Investitionen und ein Drittel will Personal abbauen, davon wiederum ein Viertel sogar in erheblichem Umfang. Maßgeblich zur Verunsicherung trägt eine unstete Wirtschaftspolitik bei. Mangelnde Planbarkeit und Verlässlichkeit führen zusätzlich zu Investitionszurückhaltung. Wir erleben also eine strukturelle Krise, weit über Konjunkturzyklen hinaus.
Zudem stehen viele Unternehmen vor der Übergabe an die nächste Generation. Der Fortbestand und die Weiterentwicklung dieser Unternehmen sind ebenso von zentraler Bedeutung. Eine Abgeltung der Erbschafts- und Schenkungssteuer durch verbindliche Investitionsauflagen in gleicher Höhe würde helfen, bestehende Arbeitsplätze zu erhalten und neue aufzubauen.
Ohne wirtschaftspolitische Erfordernisse gegen soziale Ziele auszuspielen, machen wir uns nichts vor: Während sich seit 2019 die Sozialausgaben in der Bundesrepublik um 20 Prozent erhöht haben, wuchs unsere Volkswirtschaft seitdem um nicht einmal 1 Prozent. Zugleich stieg die Abgabenquote (Steuern und Sozialabgaben) für einen durchschnittlichen Beschäftigten auf 46 Prozent. Und das, obwohl inzwischen über die gesetzliche Rentenversicherung hinaus 122 Mrd. von insgesamt 458 Mrd. EUR im Bundeshaushalt für die Grundsicherung im Alter aufgewendet werden – das ist mehr als ein Viertel.
Zugleich lag 2023 die durchschnittliche Jahresarbeitszeit je Erwerbstätigen bei rund 1.300 Stunden – damit sind wir Schlusslicht unter allen OECD-Staaten. Spitze sind wir hingegen europaweit beim Krankenstand, beim Urlaub und bei Freistellungsansprüchen. Nahezu verdoppelt hat sich von 2000 zu 2024 der Anteil an Teilzeitbeschäftigten von rund 16 auf 30 Prozent. Summa summarum sinkt unsere Arbeitsproduktivität. Auch mit Feiertagen sind wir reich gesegnet – und nun soll es in Sachsen auch noch einen Bildungsurlaub geben?
Dabei gilt: Ohne Fleiß kein Preis! Ohne Anstrengung kein Wohlstand! Ohne Leistung keine Sicherheit! Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen. Politik steht in der Pflicht, den Unternehmen die erforderlichen Rahmenbedingungen zu geben, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein.“
