Am 8. September 2025 verlieh die Johann-Andreas-Schubert Stiftung gemeinsam mit der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) im Rahmen einer feierlichen Festveranstaltung den Sächsischen Industriekulturpreis 2025 an einen Chemnitzer Bildungsverbund bestehend aus dem Verein zur Beruflichen Förderung und Ausbildung (VBFA) und der Friedrich August III. Oberschule.
Im Jahr 1991 gründete eine Gruppe engagierter Meister den VBFA mit dem Ziel, Jugendlichen mit Unterstützungsbedarfen eine tragfähige berufliche Perspektive zu eröffnen – in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs unmittelbar nach der Wende. Bereits in diesem Jahr begann der Verein damit, im industriellen Sektor außerbetrieblich auszubilden und leistete damit einen außerordentlichen Beitrag zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit in der Region.
Als Standort wählten sie das ehemalige Gerätewerk im Chemnitzer Stadtteil Altendorf – ein historisch geprägter Industriekomplex, der durch dieses Engagement nicht nur vor dem Verfall bewahrt, sondern mit neuem Sinn und gesellschaftlichem Wert erfüllt wurde. Aus stillgelegten Werkhallen wurden lebendige Lernorte – Orte der Erneuerung und Zukunft. In den folgenden Jahren entwickelte sich der VBFA zu einem der bedeutendsten freien Träger beruflicher Bildung in der Region. Heute werden jährlich rund 1.000 Jugendliche in verschiedenen Bildungsgängen, Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen begleitet – praxisnah, individuell und mit dem klaren Ziel der Integration in das Berufsleben.
Ein weiterer Meilenstein wurde 2019 erreicht: Zwei Pädagogen gründeten eine Oberschule: die Friedrich August III. Oberschule, mit einem innovativen pädagogischen Konzept. Im Zentrum steht eine praxisorientierte, ganzheitliche Berufsorientierung von der 5. bis zur 10. Klasse. In enger Zusammenarbeit mit dem VBFA entstand ein Bildungsverbund, der Theorie und Praxis in einzigartiger Weise verbindet. Die Schüler profitieren von der langjährigen Erfahrung der Ausbilder des VBFA und erhalten frühzeitig Einblicke in verschiedenste Berufsfelder.
Der Erfolg dieser Idee ist sichtbar: Innerhalb von nur sechs Jahren wuchs die Schülerzahl von 18 auf 266 im Jahr 2025 – ein eindrucksvoller Beleg für die Relevanz und Attraktivität des Konzepts.
Ein Alleinstellungsmerkmal des Bildungsverbundes ist die Authentizität seiner Lernorte: Der Unterricht findet in ehemaligen Industriehallen statt – an Orten, an denen einst produziert wurde, entstehen heute berufliche Perspektiven. Diese Umgebung verleiht der Berufsorientierung eine besondere Glaubwürdigkeit und Tiefe. Darüber hinaus leistet der Bildungsverbund einen wesentlichen Beitrag zur Nachwuchsgewinnung, insbesondere für die Industrie und das Handwerk in Chemnitz und im Umland. Durch die praxisorientierte Ausbildung und die enge Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen werden die Jugendlichen gezielt auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbereitet und können nahtlos in verschiedene Branchen integriert werden.
Auf diese Weise vereint der Bildungsverbund pädagogische Innovationskraft, nachhaltige Nutzung industrieller Bausubstanz und ein tiefes Verständnis für die Lebenswirklichkeit junger Menschen.
Übereicht wurde der Preis von Ministerpräsident Michael Kretschmer sowie Dr. Jörg Brückner, Präsident der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) und Vorsitzender des Stiftungsvorstands der Johann-Andreas-Schubert-Stiftung.
Fotos © Daniel Viol
Zum Industriekulturpreis
Die Johann-Andreas-Schubert Stiftung verleiht seit 2013 gemeinsam mit der VSW den Sächsischen Industriekulturpreis. In den vergangenen Jahren übernahm zudem der Ministerpräsident des Freistaates die Schirmherrschaft. Bisherige Preisträger waren:
2013: Giesecke & Devrient GmbH,
2015: Stuhlbaumuseum Rabenau,
2017: TRUMPF Sachsen GmbH,
2020: Förderverein August Horch Museum Zwickau e. V.,
2023: TECHNE KIROW GmbH in Leipzig für die „Niemeyer Sphere“.








